Wie ich dachte, dass sich mir „Gottes Willen“ zeigt

Heute ist mir in einem Gespräch mit meinem ACA-Wegbegleiter bewusst geworden, dass bei dem Thema „Gottes Willen“ noch viel zu viel Kontrolle bei mir mitspielt.

Ich hatte hier vor kurzem einen Blogbeitrag mit dem Titel „Wie sich mir ‚Gottes Willen‘ zeigt“ veröffentlicht. In dem Beitrag hatte ich ein Beispiel beschrieben, an dem sich zeigen sollte, wie ich eigentlich zu einem bestimmten Thema „Gottes Willen“ für mich wüsste, ihn aber dann nicht ausführte.

In dem Gespräch heute wurde mir klar, dass schon dieser erste Punkt: „Ich wusste Gottes Wille für mich“ vielleicht schon nicht stimmte. Ich dachte, ich wüsste Gottes Willen für mich. Das ist ein großer Unterschied. Denn dieser bloß gedachte Wille ist in Wirklichkeit mein Eigenwillen gewesen.

Bei anderen beobachte ich manchmal, wie sie versuchen, das Zwölf-Schritte-Programm dafür zu nutzen, wieder Kontrolle über ihr Leben zu bekommen. Sie können ihre grundlegende Machtlosigkeit nicht akzeptieren. Der Versuch, wieder die Kontrolle zu bekommen, scheitert dann und sie fühlen sich als Opfer. Bei mir selbst sehe ich die gleiche Illusion oft nicht und blende meine Opferhaltung ebenso aus. Dann bin ich in der Falle.

Mein Wegbegleiter sagte mir, es könne nicht sein, dass Gott mir die Weisheit gebe, Seinen Willen zu erkennen, aber nicht die Kraft, ihn auszuführen.

Ich habe dies zunächst weit von mir gewiesen. – Aber jetzt denke ich, dass es stimmen könnte.

Wenn ich erkenne, dass etwas Gottes Wille für mich ist, es aber nicht umsetzen kann – dann ist genau das Gottes Wille für mich in diesem Augenblick: Es nicht umsetzen zu können. Wenn ich dennoch glaube, dass ich Gottes Willen erkenne, ihn aber nicht ausführen kann – dann ist das mein Eigenwillen. Ich bin es dann, der Gott zu etwas bringen will. Ich will meinen Willen ausführen, Gott soll mir die Kraft dazu geben – und das funktionierte dann nicht.

Da sind Charakterfehler aktiv: Perfektionismus, Schwarz-Weiß-Denken, Selbstvorwürfe, Angst vor Autoritätspersonen (= Gott) und Süchtigkeit nach Aufregung: Denn solange ich das glaube, dass Gottes Willen und mein Vermögen auseinanderklaffen, bin ich in großer Anspannung: Ich tue schließlich Gottes Willen nicht. Ich schwanke zwischen Niedergeschlagenheit und Selbstverurteilung auf der einen und Grandiosität auf der anderen Seite.

Ob meine Beiträge über das Morgen- und Abendprogramm Bestand haben können vor dieser (Selbst-) Erkenntnis? Oder ob auch sie voller Kontrollversuche stecken?

Ein Satz aus dem gelöschten Beitrag hat jedenfalls Bestand und erscheint mir in neuem Licht:

Es gab übrigens auch Fälle, in denen das Aufschieben Gottes Wille war, und mein Eigenwille im Wege stand, dieses zu akzeptieren. Weil ich mir eine Vorstellung davon gemacht hatte, wie die Dinge sein sollen, und nicht annehmen konnte, wie das Schicksal sie offenbar haben wollte.

Und weil ich ja glaubte, zu wissen, was Gottes Wille ist, ich es aber nicht umsetzten konnte, stellte ich das Beten ein. In der nächsten Woche werde ich üben, statt in meinem Eigenwillen mit meiner Höheren Macht in Kontakt zu sein!

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