Spezifisches Teilen (2)

Manchmal sagen Freunde, man könne man zwar mit seinem Sponsor spezifisch teilen, nicht jedoch im Meeting, denn im  üblichen Meetingtext heiße es, dass wir deutliche sexuelle Beschreibungen und eine sexuell getönte Sprache vermeiden.

Meines Erachtens zielt dieser Satz aber nicht darauf ab, dass im Meeting nicht explizit geteilt werden soll. Es geht vielmehr darum, sein Teilen nicht sexuell zu färben oder eine sexuelle „Story“ zu erzählen. Mit anderen Worten, ich soll im Meeting keine Lüsternheit abladen.

Beim expliziten Teilen geht es aber auch nicht darum, einen im Kopf laufenden Film mündlich als Kurzgeschichte zu erzählen. Ich vermeide es also, im Meeting eine „Story“ zu erzählen, die zu einem Film im Kopf der anderen führt. Es ist möglich, kurz und klar auf das zusteuern, was ich teilen möchte, und es dann direkt aussprechen, zum Beispiel: „Ich möchte etwas ans Licht bringen. Ich habe das und das gesehen und werde dieses und jenes nicht los.“ Oder: „Ich habe meine Machtlosigkeit erlebt, weil ich immer wieder das und das tun musste, obwohl ich mir jedes Mal nachher geschworen habe, es nicht wieder zu tun.“

Im Weißen Buch heißt es in den „Richtlinien für ein Meeting“ (S. 220):

– Wir sprechen ehrlich darüber, wie es um uns bestellt ist. Wir bemühen uns um bedingungslose Ehrlichkeit und öffnen uns völlig, wir zeigen den anderen Mitgliedern, wo wir zur Zeit stehen – ungeachtet der Dauer der Trockenheit.

– Wir gehen bedingungslos mit unserer Schwäche voran und gehen das Risiko absoluter Offenheit ein.

Das alles geht nach meiner Erfahrung nur ehrlich, ungeschönt und vollständig. Ich kann mich nur völlig öffnen, wenn ich nicht um Dinge herumreden muss. Ich habe mein Leben lang um Dinge herum geredet, AS ist der Ort, an dem ich jetzt wirklich ehrlich sein kann. Wenn ich die Offenheit von Freunden abweise, beschäme ich sie eventuell. Scham ist,
zusammen mit Groll, unser Feind Nr. 1. Ich möchte meine von Heimlichkeit und Scham geprägte Krankheit heilen. Das geht nicht in von Heimlichkeit und Scham geprägten Meetings.

Ich bin so dankbar für meine Meetings, meinen Sponsor, die Freunde, das Programm, mein ganzes neues Leben, wie es heute ist.

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