Sorge und Angst

We cannot call the feeling of fear into focus, but it is there, driving our hypervigilance.

Ich konnte das Gefühl von Angst nicht wirklich greifen, aber es war immer da und nährte meine übermäßige Wachsamkeit.

aus: Twelve Steps of Adult Children, Schrittearbeitsbuch von ACA – Adult Children of Alcoholics/ Dysfunctional Families, Step 5, p. 108)

Wieviele Situationen in meinem Leben habe ich vermieden, weil ich dieses Gefühl nicht fühlen wollte?

Wenn jemand auf der Straße laut schrie, zuckte ich zusammen; ich fühlte mich „gemeint“. Welche Energie floß hinein, auf der Arbeit alles perfekt zu machen, eine gute Figur abzugeben. Ich hielt es für notwendig, stets alles und jeden zu „checken“… Angst, Sorge, Angst. Wie es in dem Zitat aus dem Schrittearbeitsbuch von ACA heißt: Ich konnte das Gefühl von Angst nicht wirklich greifen, aber es war immer da und nährte meine übermäßige Wachsamkeit. Es war genau diese Hypervigilanz, die später im Dienst der Sexsucht die Sucht so umfassend und mächtig machte. Zugleich betäubte die Lüsternheit die Angst und die Sucht, obwohl sie doch gerade durch Kontrollverlust gekennzeichnet ist, gab mir das Gefühl von Kontrolle. Ich glaubte, dass „ich“ es wollte und tat. Dass in Wirklichkeit „es“ das Ruder übernahm und ich dem Zwang berauscht und gedemütigt folgte, konnte ich nicht sehen. Und wenn ich es dann doch sah, wusste ich keinen Ausweg.

Angst und ihre kleine Schwester, die Sorge, sind auch heute noch oft meine Begleiter. Hier hat mir vor allem die Schrittearbeit bei ACA geholfen, herauszufinden, wie diese ständige Angst und Überwachsamkeit in meiner Kindheit entstanden sind. Damals waren sie völlig logische Überlebenswerkzeuge eines Kindes.

Heute lerne ich, sie zu sehen, anzunehmen und loszulassen. Auch wenn ich mich noch als Anfänger in Sachen „Angst“ fühle: Ich habe schon viele neue Erfahrungen gemacht. Meine Welt ist so viel heller, freudiger und weiter geworden.

Im ACA-Programm heißt es: „Wir lernen, uns selbst mit Sanftheit, Humor, Liebe und Respekt „gute Eltern“ zu sein.“ Jede dieser Verhaltensweisen bzw. Haltungen (Sanftheit, Humor, Liebe, Respekt) ist für mich eine Revolution, dominierten doch früher harte Selbstverurteilung, Selbstmitleid, Selbsthass und der Missbrauch des eigenen Körpers, der Seele und des Geistes.

Heute kann ich zu mir sagen: Es ist alles gut. Du darfst Fehler und Erfahrungen machen. Du brauchst keine Angst zu haben. Die Höheren Kräfte sind da und warten nur darauf, Dir zu helfen, wenn Du Dich ihnen zuwendest und öffnest.

Im Dritte-Schritt-Gebet von AA heißt es: „Erlöse mich von den Fesseln meines Ichs…“ Ich bete eher: „Erlöse mein Ich von seinen Fesseln…“ Den Fesseln der Angst, der Lüsternheit, des Grolls…, damit ich mich zu dem entwickeln kann, wie ich von Gott gedacht bin: „Glücklich, voller Lebensfreude und frei“, wie es im Blauen Buch heißt.

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