Perfektionismus

Ich benutze regelmäßig die Affirmation „Ich muss nicht perfekt sein.“ Denn Perfektionismus ist selbstzerstörerisch. Es gehört geradezu zum Wesen des Menschen, nicht perfekt zu sein. Deshalb ist scheitern vorprogrammiert, wenn ich den Maßstab der Perfektion an mich anlege. Außerdem ist der Charakterfehler Perfektionismus eine wesentliche für das Aufschieben von Arbeit. Wenn ich denke, ich muss perfekt sein, dann traue ich mich gar nicht erst, anzufangen. „Selbstmord aus Angst vor dem Tod“, könnte man auch sagen.

In einem anderen Blogbeitrag schrieb ich schon darüber, wie befreiend für mich der Satz war:

Ich bin kein schlechter Mensch, der gut werden will,
sondern ich bin ein kranker Mensch, der gesund werden will.

Denn in diesem Gut-werden-wollen lag schon der Perfektionismus und damit auch schon das vorprogrammierte Scheitern. Alles, was nicht perfekt war, was nicht sofort und einhunderprozentig gelang, war schlecht. Ich gab auf, bevor ich überhaupt angefangen hatte. So konnte ich meine Talente weder erkennen noch üben.

Bei AA und AS hörte ich dann zum Beispiel die Slogans:

  • Du brauchst immer nur für heute trocken zu bleiben, einen Tag nach dem anderen.
  • Immer nur einen Schritt nach dem anderen.
  • Das Wichtigste zuerst.
  • Loslassen und Gott überlassen.
  • Auch das geht vorüber.

Heute versuche ich, meinen Perfektionismus loszulassen. Ich will nicht mehr perfekt, sondern lieber gesund sein. Mich, statt als gescheiterten Held, als Mensch unter Menschen fühlen.

Übrigens gibt es einen schönen Satz bei AA, wohin Selbstmitleid führt („Ich Armer“ / „Poor Me“):

Poor me, poor me, pour me a drink.

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