„Lass‘ den Stöpsel in der Flasche“ – Kurzanleitung zum Trockenwerden für Sex- und Pornosüchtige

Meinen ersten Kontakt zu einer Zwölf-Schritte-Gruppe hatte ich über eine E-Mail-Liste der Anonymen Alkoholiker (AA). Dort gab eine AA-Oldtimerin zur Frage, „Wie beginnen?“, folgende Antwort.

  • Lass‘ den Stöpsel in der Flasche!
  • Bitte Deine Höhere Macht morgens um einen trockenen Tag und sage abends Danke dafür.
  • Gehe regelmäßig in die Meetings.
  • Fange sofort damit an!

Lass‘ den Stöpsel in der Flasche.

heißt für mich übersetzt für die Sexsucht: Halte Deinen Blick bei Dir, hole keine lüsternen Bilder in Dir hoch. Und spinne lüsterne Erinnerungsbilder nicht fort und mache aus einem Bild keinen Film!

Halte Deinen Blick bei Dir.

Denn Lüsternheit in sich „hineinzutrinken“ ist das Kennzeichen eines Sexsüchtigen; innerer Frieden wird nur dann nach einer gewissen Zeit eintreten, wenn ich den Drang, lüstern zu trinken, loslasse und mein vermeintliches Recht, umherzuschauen und lüsterne Bilder in mich aufzunehmen, aufgebe.

Hole keine lüsternen Bilder in Dir hoch.

Sie sind natürlich da und jederzeit abrufbar; ich habe Jahre damit verbracht, meiner Lüsternheit dienende Bilder zu suchen und in mich aufzunehmen. Ich kann sie jederzeit hochholen. Hier wird ein weiteres besonderes Merkmal der Sexsucht deutlich: Ich brauche kein materielles Suchtmittel; alles, was ich für meine Sucht brauche, ist in mir. Daher beginnt auch der fortschreitende Sieg über die Lüsternheit immer in mir. Die Lüsternheit ist in mir und nicht in dem Lustobjekt, das ich zu ihrer Stimulation nur benutze.

Spinne lüsterne Erinnerungsbilder nicht fort und mache aus einem Bild keinen Film.

Seitdem ich trocken bin, traktiert mich die Sucht immer mal wieder mit lüsternen Erinnerungsbildern: Pornographische Bilder, Erinnerungen an Sexualität, Erinnerungen an vouyeuristische Beobachtungen und vieles mehr. Um trocken zu bleiben ist es unerlässlich, diese Bilder loszulassen, vor ihnen bzw. sie zu kapitulieren. Hierfür nutze ich unter anderem Affirmationen und Gebete, zum Beispiel den Satz:

Gott, was immer ich in dieser Erinnerung (diesem Bild/ diesem Gedanken) suche, bitte lass‘ es mich in dir jetzt finden.

Dann überlege ich kurz: Was suche ich eigentlich gerade? Wie geht es mir? Habe ich die H.A.L.T.-Regel eingehalten? Wenn ich die Erinnerung dann immer noch nicht loslassen kann, rufe ich einen Programm-Freund an und teile die Erinnerung mit ihm. Das hat bei mir immer geholfen, spätestens nach dem zweiten oder dritten Telefonat.

Und auch für die Sexsucht gilt:

Gehe regelmäßig in die Meetings!

Fange sofort damit an!

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